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| Marcus Speh Birkenkrahe |
Marcus Speh Birkenkrahe ist ein deutscher Schriftsteller, der hauptsächlich in der englischen Sprache schreibt, aber seine deutschen Kurzgeschichten und Essays kann man HIER lesen. Der Autor lebt in Berlin mit seiner Frau, die Künstlerin Carlye Birkenkrahe und deren Tochter Taffimai Mettallumai.
Folgendes Gespräch ist Teil eines zweiteiligen Interviews. Der erste Teil ist HIER auf Englisch.
IMBO: Willkommen bei I Must Be Off!, Marcus! Endlich mal! Wie lange hast Du in London gelebt? Auch in Italien, Neuseeland, Argentinien und USA? Was hat dich dorthin getrieben? Die grosse Liebe, gel?
Speh: Ah, hier darf ich reden wie mir der Schnabel wirklich gewachsen ist! Ich habe neun Jahre in London gelebt; einige Jahre in Italien (eigentlich in München, aber wir hatten ein Apartment in Trieste und verbrachten so viel Zeit dort wie möglich); ein Jahr in Neuseeland (auf der Suche nach…etwas ganz anderem); und ein halbes Jahr in Argentinien. Ich bin immer den Frauen hinterhergelaufen. Obwohl ich, wenn ich tiefer schürfe, immer ein nomadischer Typ war. Das hat sich erst in den letzten paar Jahren gelegt, seitdem ich alle verfügbare Energie ins Schreiben investiere, reise ich ungern, besonders ungern ohne meine Familie. Die meisten unserer Verwandten leben allerdings in den USA, deshalb werden wir auch weiterhin das Land verlassen (müssen und wollen).
IMBO: Ich möchte langsam über’s Schreiben reden, aber zuerst muss ich fragen--was ich schon immer fragen wollte--woher Du deine Energie hollst. Darf ich ein bischen davon abzapfen? Vielleicht abbeissen?
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| Marcus Speh Birkenkrahe, Bild von Taffimai Metallumai |
IMBO:
Hast Du erst in London angefangen auf englisch zu schreiben, oder
früher? Gibt es zwei verschiedene Marcus Speh Birkenkrähe (ist das
überhaupt der Mehrzahl von Birkenkrahe?) — einen Marcus wenn Du auf
englisch schreibst und einen auf deutsch? Schließen verschiedene
Sprachen auch verschiedene Türen auf?
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"Wenn man zweisprachig ist, kann man immer (mindestens) zwei Meinungen zu einem Thema haben."
Speh:
Wenn man zweisprachig ist, kann man immer (mindestens) zwei Meinungen
zu einem Thema haben. Ich kann hier also ganz anders antworten als
sonst: ich schreibe schon lange auf Englisch. Ende der 90er Jahre war
ich mal in London in einer Dichtergruppe: dort habe ich einige meiner
(englischsprachigen) Gedichte vorgelesen; die waren sauschlecht und die
Reaktion der Gruppe war entsprechend. Dann habe ich Englisch wieder
eingepackt bis wir in Neuseeland waren: dort schrieb ich einen
schlechten Roman ganz auf Englisch. Ich habe aber immer noch Anfälle von
schlechtem Gewissen, in denen ich denke: «Ich muss doch Deutsch
schreiben!» Obwohl ich dadurch, dass ich auf Englisch schreibe, dem
Wettbewerb mit meinem Vater aus dem Wege gehe, und das ist für einen
Sohn eine wichtige Sache. Mein Vater schrieb nämlich nur auf Deutsch.
Selten schreibe ich allerdings auch im Original auf Deutsch (hier sind einige Beispiele)
— Zur Frage des Plurals: der Name «Birkenkrahe» hatte ursprünglich
einen Umlaut, der aber in der US-Botschaft in London verlorenging.
Komplizierte Geschichte…
IMBO:
Ich möchte so gern diese Geschichte hören. Gibt es eine Kurzversion?
Ist dieses Geschehen vielleicht Stoff für einen Roman?
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| Marcus Speh Birkenkrahe |
IMBO: Du bist aber wieder in Deutschland zuhause, oder? Wie ist es, wenn man heimkehrt?
Speh:
ich war vor kurzem in Hamburg, wo ich aufwuchs. Hamburg ist eine Stadt
im Norden Deutschland, die zur Selbstüberschätzung neigt, was einen
angenehmen Unterschied zu vielen anderen Städten macht, denn die
deutsche Stadt, und vielleicht der Deutsche selbst, neigt dazu, sich zu
unterschätzen. Vielleicht liegt es daran, dass Momente der
Selbstüberschätzung historisch letzthin zu Katastrophen geführt haben? —
Aber hier geht es schon los: siehst Du, wie leicht ich ins
Philosophieren abgleite? Deshalb muss ich mich dafür hüten, auf Deutsch
zu schreiben. Ich würde schon sagen, dass ich hier zu Hause bin. Für die
meisten Deutschen ist das eigene Haus (oder, in meine Fall: die eigene
Wohnung) sehr wichtig: unsere Wohnung ist wie ein großer, mit Luft und
Liebe gefüllter Kokon. Unsere Tochter wird hier dereinst ausschlüpfen,
und meine Frau und ich werden uns ebenfalls zu Schmetterlingen wandeln
auf unseren verschiedenen kreativen Wegen. Die Rückkehr nach Deutschland
hat uns Sicherheit gegeben; auch ganz praktisch: ich bin jetzt Beamter,
sicherer geht es gar nicht; aber sie hat auch etwas Beschwerliches, und
wir spüren regelmäßig den Zug in die Fremde, dem wir irgendwann auch
nachgeben werden. Ob ich dann wieder zurückkehren werde, weiß ich nicht.
Deutschland hat sich in den zehn Jahren meiner Abwesenheit sehr stark
verändert: fast hätte ich es nicht wiedererkannt. Wenn ich als alter
Mann noch einmal länger fortgehe, entfernt es sich vielleicht noch
schneller von meiner Vorstellung. Ich habe vor Kurzem in einem Interview für PANK, ein amerikanisches Magazin, von meiner Obsession mit “verlorenen Welten” gesprochen.
IMBO: Marcus, es war mir eine Freude, mit dir über Gott und verlorene Welten zu reden. Unser kleines Experiment is also gelungen. Verschiedene Sprachen öffnen verschiedene Türen. Ich wünsche dir alles Gute. Das nächste Mal, dass ich in Berlin bin geht das Frühstück auf meine Rechnung.
Ich bin mal weg (I must be off),
Christopher
Christopher Allen is the author of the absurdist satire Conversations with S. Teri O'Type.
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IMBO: Marcus, es war mir eine Freude, mit dir über Gott und verlorene Welten zu reden. Unser kleines Experiment is also gelungen. Verschiedene Sprachen öffnen verschiedene Türen. Ich wünsche dir alles Gute. Das nächste Mal, dass ich in Berlin bin geht das Frühstück auf meine Rechnung.
Ich bin mal weg (I must be off),
Christopher
Christopher Allen is the author of the absurdist satire Conversations with S. Teri O'Type.
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| Cover Art von Carlye Birkenkrahe |
Die erste Kurzgeschichtensammlung (in der englischen Sprache) von Marcus Speh Birkenkrahe wird mit grosser Spannung Ende 2012 erwartet. Mehr infos HIER.



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